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ie klassischen Agenturvertriebe stehen vor bedeutenden Herausforderungen. Die Versicherer räumen getrieben vom Niedrigzins ihre Vertriebsstrukturen und Produktangebote gründlich auf, EU und BaFin verfolgen mit Nachdruck ihre Forderungen nach höheren Beratungsstandards und reduzierten Abschlusskosten, die Digitalisierung öffnet neuen Wettbewerbern das Spielfeld. All das passiert in einem transparenter werdenden Wettbewerbsumfeld, in dem neben der Verkäuferpersönlichkeit zunehmend weitere Voraussetzungen für einen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg entscheidend sind. Im Fokus steht dabei ein Kunde, der immer höhere Ansprüche an Serviceleistungen und Reaktionszeiten stellt und selbstbewusst darüber entscheidet, wie, von wem und über welchen Kanal er seine Versicherungen kauft.

Was bedeuten diese Entwicklungen für den Agenturvertrieb in den nächsten Jahren? Und wie müssen sich Agenturen jetzt aufstellen, um den aufkommenden Wind der Digitalisierung chancenorientiert ins eigene Segel zu setzen? Fünf Faktoren bestimmen die Großwetterlage, auf die sich die Agenturen einstellen müssen.

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1. GERINGERE EINNAHMEN

Durch das „Aus” der klassischen kapitalbildenden Lebensversicherung in vielen Vertrieben und Provisionskürzungen, die mit der Umsetzung des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) einhergehen, hat sich das Verdienstpotenzial im Lebengeschäft bereits deutlich verringert. Ein Ende indes ist hier noch nicht in Sicht: Mit der Vermittlerrichtlinie “Insurance Distribution Directive“ (IDD) werden Steuerungswirkungen durch Vergütungen aller Wahrscheinlichkeit nach weiter eingeschränkt und die Betreuung der Versicherten auch während der Vertragslaufzeit weiter in den Fokus gestellt. Für erste Produkte, wie beispielsweise Riesterverträge, werden auch in den Ausschließlichkeitsvertrieben bereits laufende Provisionen gezahlt, um den erhöhten Betreuungsintensitäten Rechnung zu tragen.

 

Provisionsentwicklung Agenturvertrieb

In 2018 evaluiert die BaFin die Wirkung des LVRG, die Anfragen zum Stand der Umsetzung bei den Versicherern hierzu laufen bereits. Ob ein LVRG II kommt und an welcher Stelle die Kontrolleure nachjustieren, ist völlig offen.

Eine Deckelung der Abschlussprovisionen ist jedoch nicht unwahrscheinlich, wenn sich herausstellt, dass die bilanziellen Maßgaben an die Versicherer nicht die gewünschte Wirkung gezeigt haben. Die Gesamtbilanz bei den Einnahmen der Agenturen wird deutlich ausfallen. Bis 2025 wird das Provisionsvolumen für Vermittler im Lebensversicherungsbereich um 40 bis 50 Prozent zurückgehen. Steigende Bestands- oder Betreuungsprovisionen werden die sinkenden Front-Up Provisionen nicht kompensieren können. Bei der Kompositvergütung ist bestenfalls eine Seitwärtsbewegung zu erwarten.

Konsequent zu Ende gedacht wird die schrumpfende Bedeutung der Abschlussprovisionen die Agenturen vor eine existenzielle Herausforderung stellen. Bereits heute nutzen professionelle Agenturen Größenvorteile, um die sinkende Stückvergütung durch höhere Schlagzahlen zu kompensieren.

Der Fokus liegt dabei auf einer effizienten und differenzierten Betreuung der großen Bestände und einer strukturierten Marktbearbeitung zur Neukundengewinnung.

2. KONSOLIDIERENDE VERTRIEBSSTRUKTUREN

Viele Flächenvertriebe unterschiedlicher Branchen stehen vor einem ähnlichen Problem. Die Frequenzen vor Ort sinken, aufgebaute Strukturen werden zu teuer oder in Teilen an anderer Stelle benötigt. Kosten-Nutzen-Überlegungen führen zu Zusammenlegungen oder neu entwickelten Kooperationsmodellen. In der Bankenlandschaft vollzieht sich der Prozess der Konsolidierung des stationären Vertriebes schon seit einigen Jahren. Kleinere Filialen werden geschlossen oder zu „Satelliten“ mit rudimentärem Serviceangebot vor Ort umgebaut. Dabei findet eine digitale Vernetzung mit Experten statt und es entstehen regionale Beratungs-Center, die auf Kundenerlebnis und Beratungsqualität ausgerichtet sind.

Eine vergleichbare Entwicklung zeichnet sich in der Versicherungsbranche ab. Zum einen reduzieren die Versicherer selbst ihre Betreuungsstrukturen, um dem steigenden Kostendruck im Markt gerecht zu werden. 2015 schloss die Allianz ein Drittel ihrer Standorte für die Vermittlerbetreuung. Insgesamt 40 Mio. EUR jährlich konnte der Brancheprimus nach eigenen Angaben so einsparen. Die Axa tut es der Allianz gleich. Im ERGO-Konzern werden unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Markus Rieß gerade die Organisationsstrukturen im Vertrieb fit für die Zukunft gemacht. Unter dem Markenmantel ERGO soll so endgültig auch vertrieblich ein Unternehmen entstehen, in dem die Organisationen von Victoria, DKV, Hamburg Mannheimer und D.A.S. zusammenwachsen. Auch dies wird nicht ohne eine deutliche Verschlankung im betreuenden Außendienst auskommen.

Zum anderen setzen die Versicherer auf Prozessautomatisierung, um ihre Kostenquoten wettbewerbsfähig zu halten. Digitale Eingangskanäle, wie z.B. Kundenportale und intelligente Technologien (z.B. OCR oder die digitale Unterschrift) ermöglichen eine verstärkte Automatisierung von Service- und Betriebsprozessen. Die Automatisierung wird mittelfristig starke Auswirkungen in den Zentralbereichen der Versicherer haben. Jeder vierte Arbeitsplatz in der Branche wird durch die Digitalisierung in den nächsten zehn Jahren entfallen, so eine Studie von McKinsey.

Sinkende Provisionseinnahmen und häufig fehlende Agenturnachfolger führen mittelfristig auch zu einer Konsolidierung bei den Agenturen, die sich zu größeren Einheiten zusammenschließen werden. In den kommenden 10 Jahren ist mit einem Rückgang der Vermittlerzahlen um 40 bis 50 Prozent zu rechnen. Dabei ist die “Ein-Mann-Agentur“ das Modell mit den zunächst geringsten Zukunftsaussichten. Bleiben werden diejenigen Vermittler, die als Unternehmen vor Ort agieren. Diese Agenturen werden dabei zu Managern von deutlich gewachsenen Beständen werden, ihr Aufgabenprofil wird sich von der Akquisition hin in Richtung einer persönlichen und digitalen Betreuung großer Kundenstämme verschieben. Parallel dazu werden die Versicherer neue Organisationsformen entwickeln, die mit stärkerer Arbeitsteilung auch kleineren „Verkäuferagenturen“ eine Heimat bieten können. Die Risse im Schutzraum des regionalen Versicherungsverkaufs werden sich aber erst einmal ausweiten. Gute Agenturen profitieren und werden stärker von den Versicherern umworben. Agenturen aus dem mittleren Leistungsfeld müssen Kraft und einen nachhaltigen Veränderungswillen aufbringen, um den Anschluss im Wettbewerb nicht zu verlieren.

3. STEIGENDE KUNDENERWARTUNGEN

Multikanalstrategien stehen bei Versicherern mittlerweile hoch im Kurs. Zwar herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass Kunden Ihr Verhalten und die Anforderungen rund um das Thema Versicherungen bereits weit vor dem eigentlichen Abschluss grundlegend geändert haben. Umfassende Konzepte jedoch gibt es bisher kaum. Oftmals werden unter dem Schlagwort Multikanalstrategie die wesentlichen Fragen kaum konkretisiert: Welche Rolle haben die Kanäle und wo sind die Übergabe- und Wiederaufsatzpunkte verortet? Wie sehen die Anreizsysteme für den Kanalwechsel aus? Was muss eine übergreifende Steuerung der Kanalpräferenzen berücksichtigen? Die komplexe Customer Journey des Versicherungskunden ist für die meisten klassischen Anbieter frühestens ab dem Zeitpunkt der Beratung sichtbar. In den allermeisten Fällen aber erst mit der Antragstellung.

Viele Vertriebsprofis vor Ort verlassen sich nach wie vor auf Ihre persönliche Überzeugungskraft im Gespräch, um Interessenten zu Kunden zu machen und diese nachhaltig an ihre Agentur zu binden. Doch was passiert vor diesem Kontakt? Der Großteil aller Kunden ist bereits heute vor dem Abschluss im Internet, um sich zu informieren. Ohne eine professionelle Positionierung im Internet, die der Erwartung des Kunden entspricht, sowie nahtlose Informations- und Überleitungskonzepte werden diese Kunden nicht für den Abschluss vor Ort ankommen. Hinzu kommt, dass sich die Agenturen auf einen insgesamt höheren Geschwindigkeitsanspruch einstellen müssen. Noch vor etwa fünf Jahren ließen sich knapp 40 Prozent der Interessenten für den Abschluss einer Versicherungspolice zwischen drei und fünf Wochen Zeit. Heute entscheidet sich etwa die Hälfte aller Interessenten innerhalb einer Woche für oder gegen den Kauf einer Police – und damit für oder gegen einen Anbieter.

Noch vor etwa fünf Jahren ließen sich knapp 40 Prozent der Interessenten für den Abschluss einer Versicherungspolice zwischen drei und fünf Wochen Zeit. Heute entscheidet sich etwa die Hälfte aller Interessenten innerhalb einer Woche für oder gegen den Kauf einer Police – und damit für oder gegen einen Anbieter.

Noch deutlicher steigen die Serviceerwartungen der Kunden. In anderen Branchen gelernte Servicelevel bei Erreichbarkeit, Reaktionszeit, Kanalvielfalt oder auch positiven Serviceerlebnissen werden häufig „Eins-zu-eins” auf die Erwartungen an den eigenen Versicherer oder Versicherungsagenten übertragen. Über 50 Prozent aller Kunden erwarten beispielsweise eine Reaktion innerhalb von 24 Stunden auf Ihre Anfrage. Dabei sind heute Reaktionszeiten bei Versicherern von mehr als 5 Tagen keine Seltenheit, wenn überhaupt echte „Kunde-zu- Kunde“-Messungen erfolgen. Im digitalen Umfeld gibt es jedoch auch positive Gegenbeispiele bei den etablierten Playern. Im „Allianz hilft“- Forum zum Beispiel wird die Reaktionszeit auf Anfragen auf der Startseite in Echtzeit dargestellt. Die versprochene 30 Minuten-Grenze wird dabei häufig noch unterboten. Auch Prozesse werden konsequent vereinfacht: So können Kunden bei der Allianz nach einem Autounfall den Schaden per Smartphone aufnehmen und Stunden später die Rechnung erhalten und zwischen Sofortüberweisung oder Reparatur wählen.

Trov Startup

Branchenpioniere gehen einen Schritt weiter und kreieren bereits Serviceerlebnisse, die sich zu ernstzunehmenden Konkurrenzvorteilen entwickeln könnten. Das australische Online-Startup trōv bietet eine On-Demand Hausratversicherung an, die zu Einhundert Prozent vom Handy aus gesteuert werden kann. Kameras, Kühlschränke und Fahrräder können per Handyfoto in wenigen Augenblicken versichert werden. Der Schutz gegen Verlust, Schaden und Diebstahl kann zudem je nach Bedarf sekundengenau per Schieberegler ein- oder ausgeschaltet werden, beispielsweise vor einem Fotourlaub – so einfach, als würde man die Helligkeit in seinem IPhone ändern. Eine eventuelle Schadenmeldung läuft über die integrierte Chatfunktion auf dem Niveau einer Whatsapp-Unterhaltung. An die Hausratpolice mit Kleingedrucktem im heimischen Versicherungsordner denkt man dabei nicht mehr. Es geht natürlich mittelbar darum, ein Produkt besser oder häufiger zu verkaufen als bisher. Der entscheidende Unterschied aber liegt im Blickwinkel, den Anbieter wie trōv dabei einnehmen. Vom Kundenerlebnis her gedacht, wird der Versuch unternommen, das Bewusstsein der Kunden für ein Produkt und seinen täglichen Nutzen neu zu schaffen und damit das Bedürfnis nach Sicherheit von einer emotionalen Seite her zu wecken.

Die Kunden werden sich schnell an diese Ansprache gewöhnen. Für die Agenturen bedeutet dieser Wandel, dass sie höhere Erwartungen ihrer Kunden erfüllen müssen. Zudem werden von den Versicherern selbst zunehmend Servicelevel mit dem Agenturvertrieb vereinbart und gemessen. Vieles, was heute eine besonders gut aufgestellte Agentur ausmacht – schnellste Serviceprozesse, kanalübergreifende Erreichbarkeit über Mail, Telefon oder Whatsapp, elektronische Abwicklung des Vertragsabschlusses – wird morgen von vielen Kunden als selbstverständlich vorausgesetzt und nicht extra honoriert werden. Sie sind es bereits in anderen Lebensbereichen von Amazon, Zalando bis hin zu ihrem Onlinebanking gewohnt. Die “Extra-Meter“ der besonders guten Agenturen werden andere sein als heute, und die Kür von heute wird dann zur Pflicht geworden sein.

4. HÖHERE BERATUNGSANSPRÜCHE

Ganz konkret steigen auch die formalen Anforderungen an den Beratungs- und Verkaufsprozess, beispielsweise durch die Vermittlerrichtlinie IDD. Die Richtlinie tritt spätestens im Februar 2018 in Kraft, entwickelt die Maßgaben ihrer Vorgängerin, der „Insurance Mediation Directive 2“ (IMD2) weiter und weitet diese auf alle Vertriebskanäle aus. Entlang des gesamten Beratungs- und Verkaufsprozesses entstehen Informations-, Auskunfts- und Dokumentationspflichten, die sicherstellen sollen, dass den Interessen und Wünschen des Kunden in bestmöglicher Weise nachgekommen wird. Die Implikationen auf den Tagesablauf einer Versicherungsagentur bzw. die zusätzlichen Hindernisse bei Beratung und Verkauf, die durch die Regelungen entstehen, werden dabei bewusst in Kauf genommen. Bereits bei der persönlichen Vorstellung ist der Kunde beispielsweise über die Art der Vergütung oder Beschwerdemöglichkeiten aufzuklären. Bei der Vermittlung von Versicherungsanlageprodukten schreibt die IDD vor, die Erfahrungen und Kenntnisse des Kunden im Anlagebereich, sowie seine Risikotoleranz, finanziellen Verhältnisse und Tragfähigkeit für Verluste zu ermitteln. Solche Suitability-Tests sind im Bankenumfeld schon Normalität, im Versicherungsagenturvertrieb eher unbekannt. Was heute für viele Agenturisten praxisfremd bis absurd klingt, wird in einigen Jahren wahrscheinlich so selbstverständlich zu einem Beratungsgespräch gehören wie die Risikoaufklärung beim Anästhesisten vor einer Operation. Nicht angenehm, aber gelernt.

Den Blick für die Verbraucherinteressen schärft auch bereits der Verhaltenskodex des GDV. In elf Leitsätzen werden die Leitplanken für einen bedarfsorientierten und fairen Verkauf von Versicherungen festgesetzt. Fast alle deutschen Versicherungsunternehmen haben den GDV- Kodex angenommen und lassen Wirtschaftsprüfer jährlich kritisch auf die Umsetzungsergebnisse schauen.

Auch pencil-selling Verkäufertypen, die heute nur mit einem weißen Blatt Papier erfolgreiche Kundengespräche führen, werden sich an die geänderten Anforderungen anpassen müssen.

Zuletzt steigert die öffentliche Meinung den Anspruch der informierten Verbraucher kontinuierlich. Beim Bund der Versicherten (BdV) oder Finanztest (Stiftung Warentest) kann sich jeder Interessent online und offline zu seinem individuellen Bedarf informieren. Der vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen vormals kultivierte Verbraucherschutzgedanke pervertiert im Privatfernsehen dank Figuren wie Helena Fürst zudem zusehends zum Medien-Event. Unabhängig von der Seriosität der Berichterstattung erhalten Beratung, Verkauf und Leistung von Versicherern hohe Aufmerksamkeit über alle Medien hinweg.

Die Art der Kundenberatung wird sich in den kommenden Jahren weiter deutlich verändern. Die Zeiten verkaufszentrierter Vermittlungsansätze gehen endgültig ihrem Ende zu. Auch pencil-selling Verkäufertypen, die heute nur mit einem weißen Blatt Papier erfolgreiche Kundengespräche führen, werden sich an die geänderten Anforderungen anpassen müssen. Es wird darauf ankommen, den Beratungsprozess im Rahmen der Regulatorik so verkaufsorientiert wie möglich zu gestalten.

Durch die Bank überarbeiten Versicherer und auch immer mehr Strukturvertriebe ihre Beratungs- und Verkaufsprozesse, um ihren Vermittlern mehr Sicherheit in diesem Kontext zu geben. Allen gleich ist dabei, dass sie den Kunden mehr in die Lösungsfindung einbeziehen und bedarfsgerecht sowie transparent agieren. Vorausschauende Vermittler, die diesen Paradigmenwechsel in der Kundenberatung bereits aktiv umsetzen, realisieren nachhaltige Vertriebserfolge und erfahren ein deutlich gesteigertes Vertrauen Ihrer Kunden.

5. BESETZUNG KUNDENSCHNITTSTELLE

Versicherer denken klassischerweise vom Produkt her, man verkauft schließlich Vertrauen. In anderen Branchen vollzieht sich bereits ein Prozess, in dem das Kundenerlebnis zunehmend wichtiger wird als das eigentliche Produkt. Das Online-Startup Casper verkauft erfolgreich “Die Matratze Deines Lebens“ mit minimalen Konfigurationsmöglichkeiten und Produktinformationen. AirBnB macht mit dem Versprechen eines „Zuhauses“ auf der ganzen Welt private Wohnzimmer zur bedrohlichen Konkurrenz für die Hotellerie. Wenn Apple sein erstes Auto auf den Markt bringen wird, werden es BMW und Audi schwerer haben, mit PS-Zahlen und Beschleunigungswerten bedrohte Marktanteile abzuschirmen, weil der Kunde mobile Vernetzung erleben möchte. Ob echter neuer Anbieter oder Intermediär zwischen Produktgeber und Kunde, das rasante Wachstum von neuen Playern an der Kundenschnittstelle ist nicht zu stoppen.

Bedrohung Kundenschnittstelle Versicherung

Auch der Versicherungskontext wird bereits ins Visier genommen und bespielt. Knip, Getsafe, FinanceFox oder Clark, die Reihe der gut finanzierten digitalen Versicherungsmakler, die auf den Markt strömen, wächst. Knip beispielsweise erhielt Ende 2015 zusätzliche Mittel in Höhe von 14 Mio. EUR, Clark konnte Ende August dieses Jahres insgesamt 13 Mio. EUR einsammeln. Mit einer einfachen Aufbereitung des Themas Versicherung und direktem Zugang zu den Kunden über das Smartphone wollen die Startups ihre Chance nutzen, Angebote schneller an den Mann zu bringen als die stationären Vertriebe. Aber auch direkte Produktangebote sind unter den Insurtechs bereits in Deutschland zu finden. Die App Haftpflichthelden wirbt mit dem Versprechen, in drei Minuten den perfekten Haftpflichtschutz abzuschließen. Der Schutz ist weltweit gültig und täglich kündbar, die Schadenmeldung läuft über die App auf dem Smartphone. Der Flatratepreis sinkt, je mehr Freunde man für einen Versicherungsschutz wirbt. App-basiert entstehen auch sogenannte temporäre Produkte.

Mit cuvva, einem Londoner Startup, können geliehene Autos in wenigen Minuten vor Fahrtantritt versichert werden. Mittels Eingabe des Nummernschildes und eines Handyfotos des Fahrzeuges, kann so der fehlende Versicherungsschutz in der Kfz-Versicherung kurzerhand nachgeholt werden. Insurtechs entwickeln Angebote auf weiteren Feldern. Mobile Verkaufsplattformen, Krankenversicherungen, Peer-to- peer-Absicherungen oder Schadenbearbeitungs-Apps. In allen Versicherungsbereichen versuchen Startups, mittels technologischen Innoationen und Ideen neue Kundenzugänge zu erschließen.

Wie die Insurtechs, verstehen sich reine Online-Anbieter gut darauf, auf ihrem wichtigsten Kontaktpunkt Webauftritt ihr Produktportfolio verständlich und schnell erfassbar darzustellen. Das Wechselverhalten der Versicherten bestätigt das: Etwa jeder zehnte Versicherungsnehmer hat in den letzten zwei Jahren einen Vertrag gekündigt oder ist zu einem anderen Anbieter gewechselt – in einem Viertel der Fälle von einem Service- zu einem Direktversicherer. CosmosDirekt beispielsweise ist in den letzten 6 Jahren um insg. 72% gewachsen und befindet sich mit 2,5 Mrd. € gebuchten Bruttobeiträgen (2014) in Gesellschaft der mittelgroßen deutschen Versicherer. Allerdings mit einer um rund 60-70% (Leben) geringeren Kostenquote in Abschluss und Verwaltung.

Darüber hinaus entstehen konvergente Produkte, die andere Unternehmen in die Wahrnehmung des Versicherungskunden rücken. Mit „Smart Home“ versuchen gleich mehrere Branchen, die Kundenschnittstelle rund um die Immobilie zu besetzen. Autohersteller und Vergleichsportale besetzen den Zugang zum Kunden bei Kfz- Versicherungen, Amazon bietet Käufern von Handys, Waschmaschinen und anderen elektronischen Geräten mit „Amazon Protect“ den Versicherungsschutz direkt mit an.

Ab 2018 hat die EU eCall Notrufsysteme in Neuwagen zur Pflicht gemacht. Die Debatte um die verarbeiteten Daten und deren Nutzung zwischen Autoherstellern, Versicherern und anderen Parteien ist längst entbrannt. Denn solche Informationen entscheiden beispielsweise darüber, in welcher Werkstatt ein beschädigtes Auto nach einem Unfall repariert wird. Wichtig ist die Erkenntnis, dass Kunden zunehmend bereit sind, Versicherungsprodukte auch von anderen Unternehmen zu beziehen und dass sich im Zuge der Konvergenz die Grenzen zwischen den Branchen verwischen.

Noch sind die Agenturvertriebe das vertriebliche Rückgrat im Geschäftsmodell der Versicherer. Aber auch die klassischen Serviceversichererhaben längst mehr als nur einen Fuß in der Tür der digitalen Versicherungswelt. Allianz, AXA und ERGO beispielsweise haben millionenschwere Investitionsprogramme aufgelegt und eigene Bereiche gegründet, um voll am Potenzial und kommenden Entwicklungen partizipieren zu können. Dabei geht es um weit mehr als den Verkauf von Versicherungsprodukten. Ziel der Konzernstrategen ist der Aufbau von Ökosystemen rund um Themen wie Sicherheit, Mobilität oder Gesundheit, um die entstehende Branchenkonvergenz aktiv mitzugestalten.

AUF KURS GEHEN: DIGITALISIERUNG ALS STELLHEBEL FÜR ERFOLGREICHEN AGENTURVERTRIEB VON MORGEN

Die Agenturvertriebe müssen die vorherrschende Angst vor der Digitalisierung zügig überwinden, ihre Zuschauerrolle verlassen und die bedrohten Kundenzugänge sichern. Dies bedeutet auch einen Kulturwandel im gesamten Team herbeizuführen und den Chancen der Digitalisierung positiv entgegenzublicken.

Ein guter Skipper geht seinen Segeltrimm für aufkommenden Wind schon durch, während seine Passagiere noch das Sonnenbad auf Deck genießen. Viele Versicherungsagenturen, die bereits ein Digital Mindset in ihren Teams entwickelt haben und ihre traditionelle Stärke Kundennähe schon mit einem effizienten Agenturmanagement kombiniert haben, gehen selbstbewusst an den Start.

Digitalisierung Agenturvertrieb

Um Ihre Kunden auch in der Welt von morgen nachhaltig an sich zu binden, müssen Agenturen sich darauf einstellen, umfassender Ansprechpartner für entstehende Themenfelder zu werden. Von neuen Produkten, wie Cyber-Versicherungen bis hin zur smarten Heimvernetzung werden sich Spielfelder öffnen, die große Chancen für Wachstum bieten.

accoda kennt die zentralen Stellhebel für erfolgreichen Agenturvertrieb von morgen. Gerne erörtern wir gemeinsam mit Ihnen, welche Schritte für Ihr Unternehmen die richtigen sind, um den Agenturvertrieb nachhaltig und wirkungsvoll zu Digitalisieren.

ÜBER ACCODA

Wir begleiten Unternehmen, deren Marktumfeld sich stark verändert. Insbesondere Versicherungen und Banken stehen vor großen Herausforderungen, die den Vertrieb und das Marketing nachhaltig verändern werden. Mit kompetenter Vertriebs- und Marketingberatung helfen wir, diese Herausforderungen in Chancen zu überführen und das Unternehmen zukunftsgerichtet aufzustellen. Damit Strategien und Konzepte nicht graue Theorie bleiben, bieten wir auch Marketing-Services und Vertriebs- Applikationen in Zusammenarbeit mit führenden Experten und Agenturen an und vervielfachen so die Performance von Versicherern.